
Die Rolle von Phono-Vorverstärkern
Im Jahr 1954 schlug die Recording Industry Association of America (RIAA) einen Standard vor, der auf den Frequenzkurven der Firmen RCA und Victor basierte. Sehr schnell übernahmen alle Firmen diese Vorverzerrung, die heute als „RIAA“ bezeichnet wird. Die meisten nach 1955 gepressten Schallplatten wurden mit RIAA-Filtern aufgenommen.
Aus diesem Grund ist es notwendig, beim Abspielen einer Schallplatte einen Phono-Vorverstärker zu verwenden. Dieser spezielle Vorverstärker verwendet eine umgekehrte Frequenzgangkurve: Vereinfacht gesagt wird die Schallplatte nach einer Glockenkurve graviert, und beim Abspielen wird eine Anti-Glockenkurve angewendet. Dadurch wird die Bandbreite einer Schallplatte auf etwa 20 Hz (Tieftöne) abgesenkt. Der Phono-Vorverstärker beschränkt sich jedoch nicht auf diese Funktion, er versorgt den Tonabnehmer auch mit Verstärkung und verstärkt das sehr schwache Signal (etwa 3 mV bei MM- und 0,4 mV bei MC-Tonabnehmern) am Ausgang des Tonabnehmers auf ein sogenanntes „Line“-Signal zwischen 0,3 und 0,5 V. Darüber hinaus ermöglicht er auch die Behebung bestimmter elektrischer Probleme! Tatsächlich kombiniert der Hersteller eines MM-Tonabnehmers verschiedene Parameter, um eine möglichst flache Frequenzgangkurve zu erzielen, doch dieses Ergebnis hängt von den kapazitiven und ohmschen Werten der Kombination aus Tonabnehmer und Kabel ab. Auch MC-Tonabnehmer sind so konzipiert, dass sie mit einer ganz bestimmten Last in Bezug auf Widerstand und Kapazität arbeiten. Der Vorverstärker muss die Kapazität und Impedanz automatisch oder manuell über einen Wahlschalter (Pro-ject Phono Box SE) oder sogar eine Fernbedienung (Audio Research PH6) so genau wie möglich an die der verwendeten Geräte anpassen. Angesichts der geringen Werte ist es offensichtlich, dass die Kabel (insbesondere bei MC-Tonabnehmern) einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss haben, und es wird dringend davon abgeraten, sie durch Modulationskabel zu ersetzen, die nicht speziell für den Einsatz mit Schallplatten vorgesehen sind. Standard-Signalkabel, die für Hochpegelquellen wie CDs ausgelegt sind, weisen oft zu hohe Kapazitäten und Widerstände auf, was zu einem Abfall der hohen Frequenzen mit Einbrüchen und Erhebungen im Frequenzgang führt.
Technologie der Phono-Vorverstärker
Vor dem glorreichen Einzug der Compact Disc verfügten ALLE auf dem Markt erhältlichen Vollverstärker und Vorverstärker über einen Phono-Eingang. Je nach Marke und Modellreihe war dieser mehr oder weniger ausgefeilt und von unterschiedlicher Qualität. Die Spitzenmodelle verfügten oft über einen umschaltbaren MM- und MC-Eingang, andere boten zwei separate Eingänge an, einen Hochpegel- und einen Niedrigpegel-Eingang. Doch mit dem Rückgang der Verkäufe analoger Tonträger Anfang der 90er Jahre haben viele Hersteller diesen wertvollen Eingang aus ihren Geräten entfernt. Es ist anzumerken, dass die Vorherrschaft der Compact Disc für viele von ihnen Anlass war, auf den Phono-Vorverstärker zu verzichten, ohne dies jedoch auf den Preis der Geräte umzulegen. Denn während eine Phono-Sektion nur wenige Cent kosten konnte und kann (in asiatischen Massenprodukten beschränkt sie sich oft auf einen einfachen Operationsverstärker), kann sie in High-End-Modellen auch mehrere hundert Euro kosten, wo sie früher wie heute über diskrete Bauteile (in Klasse A vorgespannte Transistoren…) oder Röhrenstufen (12AX7, 6922, 6H30…) realisiert wird.
Heute verfügen 97 % der auf dem Markt erhältlichen Geräte über keinen Phono-Teil. Einige Hersteller bieten ihn als Option an, doch diese sind sehr selten. Um also in den Genuss von Schallplatten zu kommen, empfiehlt es sich, einen Phono-Vorverstärker anzuschaffen. Diese gibt es in verschiedenen Preisklassen, Größen und Technologien.
1. Transistor-Vorverstärker
Die preisgünstigsten Modelle verwenden relativ einfache, aber bewährte Schaltungen. Eine Kombination aus Widerständen, Kondensatoren und Transistoren oder Operationsverstärkern (Pro-ject PHONO BOX). Die Qualität der Bauteile und deren Kombination sowie die Anschlüsse und die Stromversorgung sind wesentliche Aspekte. Einige Modelle verwenden sehr hochwertige diskrete Bauteile (IOS von REGA, EAR 324) oder separate Netzteile (Stageline und Superline von NAIM AUDIO) oder Batteriebetrieb (PH3D von SUTHERLAND).
2. Röhren-Phono-Vorverstärker
Diese Technologie kommt bei den prestigeträchtigsten und damit teuersten Vorverstärkern zum Einsatz (AUDIO RESEARCH REFERENCE PHONO und PH8). Seit einigen Jahren wird sie jedoch immer beliebter, und es gibt mittlerweile auch erschwingliche Röhrenprodukte (PRO-JECT TUBE BOX, EAR 834P). Sie sind bei Audiophilen sehr beliebt und gelten als besonders musikalisch. Ihre Herstellung ist nach wie vor kostspielig, und sie erfordern einen gewissen Wartungsaufwand, da Röhren eine begrenzte Lebensdauer haben, die je nach Schaltung und Modell variiert (zwischen 2500 und 4500 Stunden). Die gängigsten Röhren sind Trioden oder Doppeltrioden (12AX7/ECC83, 6922/ECC88, 6H30…).